Die richtige Skitechnik: Schwarze Pisten meistern

Egal ob Streif, Kandahar oder Harakiri – mit der richtigen Skitechnik lassen sich auch die schwierigsten Abfahrten der Welt meistern. Sogenannte “schwarze Pisten” sind die anspruchsvollsten Pisten eines Skigebiets. Sie verfügen über ein Gefälle von mehr als 40 % (22°) und stellen somit auch für geübte Skifahrer und Profis eine Herausforderung dar. Der erhöhte Schwierigkeitsgrad bringt oftmals extrem steile Hänge und eisige Pistenabschnitte mit sich, die dem Skifahrer eine verfeinerte Skitechnik sowie ein hohes Maß an Konzentration abverlangen.

Die große Herausforderung liegt darin, die Geschwindigkeit auf der schwarzen Piste jederzeit so regulieren zu können, dass man die Skier stets unter Kontrolle hat. Damit auch du in Zukunft schwarze Pisten wie ein Profi meisterst, verrät dir das Expertenteam von CheckYeti die richtige Technik und gibt dir hilfreiche Tipps und Tricks, um Steilhänge mühelos zu bezwingen.

Vorbereitung und persönliche Einschätzung

Skifahrer auf der schwarz markierten Harakiri Abfahrt in Mayrhofen.
Für schwarze Abfahrten wie die Harakiri ist neben der richtigen Technik eine gute Vorbereitung das A und O © Mayrhofner Bergbahnen

All jene, die im nächsten Skiurlaub die schwarzen Pisten des Skigebiets erobern wollen, sollten sich zuvor ausreichend über das Skigebiet, dessen Pistenmarkierungen (blau, rot und schwarz) und den tatsächlichen Schwierigkeitsgrad der Abfahrten informieren. Wer sich nicht sicher ist, ob die eigenen Fähigkeiten für eine bestimmte Piste ausreichen, kann auf den Webseiten vieler Skigebiete die Funktion “Vogelperspektive” nutzen, um das Skigebiet digital auszukundschaften.

Wichtig ist auch, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen, um das Unfall- und Verletzungsrisiko so klein wie möglich zu halten und etwaigen Frust nach der Befahrung einer zu anspruchsvollen Abfahrt zu vermeiden. Auch als fortgeschrittener Skifahrer sollte man auf das eigene Bauchgefühl vertrauen und eine schwarze Piste nur befahren, wenn man sich wohl dabei fühlt. Auf der schwarzen Piste darf zwar der nötige Respekt vor der Geschwindigkeit und dem Hang nicht fehlen, allerdings ist Angst hier fehl am Platz. Mit Ruhe und Konzentration lässt sich jede schwarze Piste meistern.

Grundfitness als Voraussetzung für eine gelungene Abfahrt

Zwei Skifahrer blicken von einer Skipiste auf sonnige Berggipfel.
Eine gute Grundfitness ist die beste Voraussetzung für abenteuerliches Skivergnügen auf einer schwarzen Piste

Neben der Beherrschung der richtigen Technik ist eine gewisse Grundfitness für das Befahren schwarzer Pisten essentiell. Wie auch bei anderen Sportarten verlangt das Skifahren dem Körper einiges ab. Besonders Koordination, Kondition, Stabilität und gestärkte Muskelgruppen sind gefragt. Wer also vorhat, sich im Winter auf schwarze Pisten zu wagen, sollte sich dementsprechend gut vorbereiten.

Besonders beim Kurzschwung und dem starken Aufkanten auf eisigen Pisten werden sowohl die Bein- als auch die Rumpf- und Armmuskulatur stark beansprucht. Diese sollten bestenfalls schon einige Monate vor der Skisaison gezielt trainiert werden. Neben starken Muskeln ist beim Skifahren auch ein hohes Maß an Beweglichkeit gefragt. Da bei dieser Sportart der ganze Körper zum Einsatz kommt und sich am Hang an die wechselnden Verhältnisse anpassen muss, sollte der ganze Bewegungsapparat auf die Herausforderungen der schwarzen Piste vorbereitet werden. Besonders geeignet hierfür sind einerseits Yoga- und Pilates-Übungen, andererseits das klassische Dehnen vor und nach dem Sport.

Die richtige Technik, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren

Um auf der schwarzen Piste nicht die Kontrolle über die Geschwindigkeit zu verlieren und einen kühlen Kopf bewahren zu können, erfordert es eine ausgereifte Skitechnik. Diese ist auf steilen Hängen grundsätzlich keine andere als auf flacheren Pisten, sie muss allerdings mit besonderer Sorgfalt ausgeführt werden.

Für das Meistern einer schwarzen Piste sollte ein Skifahrer die Kurzschwung-Technik beherrschen. Sie stellt die Voraussetzung für das kontrollierte Steuern der Skier auf steilen und eisigen Pistenabschnitten dar und ermöglicht somit auch auf diesen Abfahrten eine entspannte Fahrt, bei der die Geschwindigkeit nicht überhand annimmt. Der Kurzschwung befähigt einen, den Kurvenradius flexibel an die Gegebenheiten des Geländes anzupassen. So kann das Tempo aktiv reguliert werden. Indem die Skier möglichst schnell über die Falllinie gesteuert werden, wird die Zeitspanne der kritischen Geschwindigkeitszunahme in der Kurve stark reduziert. Dadurch nimmt die Geschwindigkeit nicht zu sehr zu und das Tempo hält sich im Rahmen.

Wichtig sind beim Kurzschwung die starke Außenskibelastung und das schnelle Drehen der Skier während der Kurve, da auf steilen Pisten besonders starke Hangabtriebskräfte wirken, denen es entgegenzuwirken gilt. Um die eigene Kurzschwung-Technik zu verbessern, empfehlen sich einfache Übungen auf der Skipiste.

Zusätzlich zur erhöhten Belastung des Außenskis und der raschen Steuerung über die Falllinie ist eine kurze Entlastung der Skier essenziell. Dabei leiten die Zehen im Kurvenwechsel einen Druckaufbau ein, wodurch die Skier entlastet werden und in die Falllinie steuern. So lassen sich die Skier deutlich leichter drehen. Diese Entlastungsbewegung darf allerdings auch nicht zu lange andauern, da die Phase ohne Druck auf den Skiern trotzdem kurz gehalten werden sollte.

CheckYeti Tipp: Auch wenn beim Kurzschwung primär die Beine gefordert sind, hilft ein stabiler Oberkörper dabei, ein Überdrehen zu verhindern und somit unkontrolliertes Rutschen in den Kurven zu unterbinden. Deshalb sollte auch der Oberkörper auf das Befahren schwarzer Pisten vorbereitet werden. Empfohlen wird daher auch, ein kurzes Rumpf-Workout in das Ski Vorbereitungstraining einzubauen. Perfekt dafür geeignete Übungen sind beispielsweise Planks oder auch rücklings durchgeführte Liegestütze.

Starkes Aufkanten für leichteres Steuern der Skier

Die Skirennläuferin Ingrid Salvenmoser beim starken Aufkanten auf der Skipiste.
Die Skirennläuferin Ingrid Salvenmoser demonstriert das starke Aufkanten und das Kippen der Knie gegen den Hang

Auf schwarzen Pisten sind teilweise besonders eisige Pistenabschnitte vorzufinden, die es mit einem kühlen Kopf zu meistern gilt. Eine erhöhte Konzentration und ein starkes Aufkanten helfen dabei, auf eisigen Strecken die Kontrolle über die Skier zu behalten. Dabei gilt es Ruhe zu bewahren, die Geräusche der Skier auf dem Eis zu ignorieren und das Tempo nur langsam aufzubauen, da eine Geschwindigkeitsreduktion am Steilhang äußerst schwierig ist.

Wie aber erzeugt man einen höheren Aufkantwinkel? Zunächst einmal wird der Druck auf den Außenski durch eine Ausgleichbewegung des Oberkörpers (Richtung Tal) aufgebaut. Gleichzeitig sollten Knöchel, Knie und die Hüfte zum Hang gekippt werden. Nur, wenn der Druck aus den Beinen kommt, gelingt es, den Druck auf die Skier aufzubauen und längsseitig wenige Auflageflächen zu erzeugen. Da der Druck so auf einen relativ schmalen Bereich konzentriert ist, greifen die Kanten am Hang besser und das Befahren eisiger Pistenabschnitte wird rundum einfacher.

Auch wenn es am eisigen Steilhang einiges an Überwindung kostet, sollte die Bewegung im Kurvenwechsel nach vorne gehen. Nach der Kurve empfiehlt es sich dann, den Kantwinkel der Skier zu erhöhen und den Außenski besonders zu belasten. So wird rasantes Seitrutschen vermieden und die Skier können einfacher geführt werden.

CheckYeti Tipp: Wer beim Skifahren auf steilen Hängen das Gefühl hat, aus dem Gleichgewicht zu geraten und daher seine Stabilität auf den Skiern verbessern möchte, sollte eine breitere Skistellung einnehmen. Die damit vergrößerte Standfläche bewirkt eine erhöhte Stabilität. Ein gezielter Stockeinsatz kann zudem zur Standfestigkeit beitragen und das Gleichgewicht steigern.

Die richtige Skiausrüstung für schwarze Pisten

Grundsätzlich werden für schwarze Pisten keine besonderen Skier benötigt. Jedoch gibt es einiges, worauf man bei seiner Ausrüstung achten sollte, da diese maßgeblich dazu beiträgt, das Befahren schwarzer Pisten zu vereinfachen und das Skivergnügen zu steigern.

Egal, welche Skigattung man verwendet, das A und O bei der passenden Skiausrüstung für schwarze Pisten sind griffige Kanten. Sie sollten also scharf sein, damit sie auch auf Steilhängen greifen. So hat man beim Skifahren einen sicheren Halt, was einerseits aus Sicherheitsgründen empfehlenswert ist und andererseits auch das Fahrerlebnis verbessert. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Wartung der Skiausrüstung im Fachhandel unerlässlich.

Neben den scharfen Kanten hat auch die Skilänge Einfluss auf das Fahrverhalten auf der schwarzen Piste. Zu lange Skier erschweren das Kurvenfahren auf steilen Hängen, weil mit ihnen mehr Kraft aufgewendet werden muss, um die Drehung durchzuführen. Der Nachteil an besonders kurzen Skiern ist die zu kleine Unterstützungsfläche. Skier mit sogenannten Tip- oder Tip-Tail-Rockern sind an beiden Skienden aufwärts gebogen und können das Befahren von schwarzen Pisten erleichtern, da die kürzere Auflagefläche das Kurvenfahren wendiger macht.

CheckYeti Tipp: Wer für das Befahren schwarzer Pisten professionell gewartete Skier mit perfekt geschärften Kanten haben möchte, kann sich die Skiausrüstung in den örtlichen Skiverleihen ausborgen. Bei Skikursen für fortgeschrittene Skifahrer oder Kursen mit Fokus auf Technikübungen kann die Skiausrüstung oftmals sogar ganz bequem zum Skikurs dazugebucht werden.

Die Top 5 schwarzen Pisten in den Alpen

Die Alpen haben weit mehr zu bieten als traumhafte Bergpanoramen, denn einige der abenteuerlichsten Abfahrten der Welt befinden sich direkt im Herzen Europas. “Tiefschwarze” Pisten wie die Harakiri, die Streif oder die Kandahar gehören zu den prestigeträchtigsten FIS Weltcup Abfahrten und lassen den Puls bei den Athleten auf und den Zuschauern abseits der Piste in die Höhe schnellen.

Um Pisten dieses Schwierigkeitsgrades kontrolliert befahren zu können, ist eine professionelle Vorbereitung im Skikurs empfehlenswert. In speziellen Renntrainings und Technik-Schulungen wird mit einem erfahrenen Profi daran gearbeitet, mögliche Herausforderungen schwarzer Abfahrten mit Gelassenheit und jeder Menge Spaß zu meistern.

Die Harakiri-Abfahrt in Mayrhofen

Ein Skifahrer auf der extrem steilen Harakiri-Abfahrt in Mayrhofen.
Die Harakiri-Abfahrt in Mayrhofen hat ein Gefälle von 78 % © Archiv TVB Mayrhofen/Dominic Ebenbichler

Die Harakiri-Abfahrt im tiroler Zillertal bietet das steilste Pistenerlebnis Österreichs. Von 1500 m Höhe startet die 376 m lange Abfahrt, dessen Gefälle größer als das einer Sprungschanzen-Anlaufspur ist. Es ist also nicht verwunderlich, dass ihr Name von einem alten und sehr gefährlichen japanischen Ritual der Samurai stammt.

CheckYeti Tipp: Diese mit einem japanischen Namen getaufte Abfahrt bezwingt man am besten mit der Hilfe eines örtlichen Skiprofis, der die Harakiri wie seine Westentasche kennt.

Informationen zu Skikursen für Fortgeschrittene in Mayrhofen >

Die Streif in Kitzbühel

Die Streif zählt mit ihrem Gefälle von bis zu 85 % (Neigungswinkel ca. 40°) definitiv zu den legendärsten Pisten der Welt. Der Austragungsort des alljährlichen Hahnenkamm-Rennens stellt sogar für die Profis eine ganz besondere Herausforderung dar. Der ehemalige österreichische Skirennläufer und Ikone des alpinen Skisports Franz Klammer siegte auf dieser Abfahrt im Laufe seiner Karriere sogar ganze 4 Mal.

CheckYeti Tipp: Für ambitionierte Skifans jeden Alters, die in die Fußstapfen berühmter Skistars wie Franz Klammer zu steigen wollen, ist ein Skikurs für Fortgeschrittene auf der Streif der beste Start.

Details zu den Skikursen in Kitzbühel >

Die Kandahar im Skigebiet Garmisch-Classic

Ein Skifahrer auf der bekannten Kandahar Abfahrt im Skigebiet Garmisch-Classic.
Die Kandahar-Abfahrt weist ein Gefälle von mehr als 90% auf © Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG/fendstudios.com

Diese Abfahrt ist in so mancher Hinsicht rekordverdächtig: ein Gefälle von 92 % (Neigungswinkel etwa 42°) auf einer maximalen Höhe von 3300 m. Professionelle Rennfahrer sausen diese 3,3 km lange Piste mit bis zu 130 km/h hinunter und überwinden einen Höhenunterschied von 720 m.

CheckYeti Tipp: Wer besonders steile Pistenabschnitte wie den “Freien Fall” auslassen möchte, kann diese mit dem Kandahar-Express einfach umgehen. Ein ausgebildeter Skilehrer kann dabei helfen, die eigene Technik so zu verbessern, dass auch die Kandahar ohne allzu große Mühe befahren werden kann.

Infos zu den Skikursen in Garmisch-Classic >

Die Abfahrt Gamsleiten 2 in Obertauern

Blick auf die berühmte Abfahrt Gamsleiten 2 in Obertauern.
Die Gamsleiten 2 in Obertauern zählt zu den anspruchsvollsten Pisten im europäischen Alpenraum © Tourismusverband Obertauern

Auf dieser Abfahrt bleiben Adrenalinjunkies keine Wünsche offen. Auf den steilsten Abschnitten werden hier sogar Gefälle von 100 % (Neigungswinkel 45°) gemessen. Zudem ist die Gamsleiten II eine der steilsten Buckelpisten Europas.

CheckYeti Tipp: Um sich nicht nur physisch, sondern auch psychisch bestens auf schwarze Pisten wie die Gamsleiten 2 vorzubereiten, ist ein sogenanntes Ski Mentalcoaching genau richtig. Mit einem geschulten Skilehrer wir in diesem Rahmen an der mentalen Ausgeglichenheit und Konzentrationsfähigkeit gearbeitet, die bei der Befahrung steiler Strecken ganz besonders hilfreich sein kann.

Informationen zu den Kursen und Coachings in Obertauern >

Der Lange Zug in Lech

Mit einem Gefälle von 80 % (Neigungswinkel ca. 38°) ist der Lange Zug am Rüfikopf in Lech nichts für schwache Nerven. Diese Pistenabfahrt zählt zu den weltweit steilsten präparierten Skistrecken und sollte nur von echten Profis oder in Begleitung eines ortskundigen Skilehrers, der die Schnee- und Wetterverhältnisse richtig einschätzen kann, befahren werden.

Zu den Skikursen mit ortskundigen Skilehrern in Lech >

 

Fedora von CheckYeti

Als Salzburgerin bin ich schon mit 3 Jahren das erste mal auf Skiern gestanden. Seither ist das Skifahren für mich ein ganz besonderes Highlight der Wintersaison!